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Unternehmensleitbildern als wirtschaftsethische Herausforderung

159 Es gilt die wirtschaftsethische Resilienz42 in die Entscheidungskompetenz der handelnden Personen auszuprägen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ziel kann es folglich nicht sein, dass sich eine Führungskraft schlicht aus purer Furcht vor Sanktionen gemäß der Erwartungshaltung des Arbeitgebers verhält. Es gilt nicht die Vermeidung unerwünschten Verhaltens anzustreben, sondern aus einem ressourcenorientierten Blickwinkel heraus die Stärkung des erwünschten Verhaltens zu fördern. Zusätzlich sollte in die Entwicklung hinreichender Entschei- dungskompetenz in der Bewältigung von Dilemma-Situationen investiert werden, da sich hier den Entscheidern oftmals nicht erschließt, welche Erwartungen an das erwünschte Verhalten konkret gestellt werden (s. Abschn. 5.4). E10: Welche Strategien ergreift der Proband selbst? Die Frage an die Führungskräfte lautete: „Was tun Sie als Führungskraft wenn einer Ihrer Mitarbeiter gegen die Werte verstößt?“ Das Antwortverhalten der Befragten deutet ein schwerwiegendes Dilemma an. Wie bereits zuvor erläutert, gibt es unternehmensseitig außerhalb des Complian- ce-Managements wenig institutionalisierte Reaktionsmechanismen. Somit sind die Führungskräfte in der Thematisierung bzw. Sanktionierung von Werteverstößen oftmals auf ihr eigenes Können zurück geworfen. Paradoxerweise erscheint die von den Befragten präferierte Strategie, die der un- mittelbaren Ansprache im Dialog mit dem Betroffenen, zugleich die herausfor- derndste zu sein. Während wenige Befragte sehr klar und stringent das Gespräch suchen und dabei sowohl die verschriftlichten Werte als auch ihre persönliche Vorbildrolle betonen, berichtet ein Großteil der Probanden von mangelndem Mut Werteverstöße anzusprechen, von vermiedenen Konfliktgesprächen und einer unzureichenden Feedback- und Fehlerkultur. Diese Ausführungen werden zum 42 Gemäß Gabler (2015e) bezeichnet Unternehmerische Resilienz „die Eigenschaft eines Unternehmens, externe Schocks oder Verwerfungen der sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen auszuhalten und sich an die neuen Bedingungen anzupassen.“ Übertragen auf den Begriff der wirtschaftsethischen Resilienz ist hier die Kompetenz von Führungskräften gemeint, in einer ethischen Dilemma-Situation reflektiert im Sinne von vernünftig entscheiden zu können.

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