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Unternehmensleitbildern als wirtschaftsethische Herausforderung

158 Häufig betonen die Probanden, dass es stark von dem jeweiligen Bereich und von den involvierten Führungskräften abhinge, ob und in welcher Form ein Verstoß geahndet wird. Ein Proband weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass vie- le Führungskräfte nicht bereit wären das wertekonforme Führungsverhalten in den Zielvereinbarungen stringent nachzuhalten. Insgesamt lässt sich beobachten, dass es den Probanden wesentlich schwerer fällt unternehmensinterne Mechanismen zu identifizieren die bei einem Verstoß gegen „weiche Werte“ greifen. Womit lässt sich die starke Compliance-Fokussierung im Management von Werte- verstößen erklären? Dazu bedarf es eines Rückblicks auf die Geschichte der Entwicklung der „Comp- liance and Ethics Programs“. Wie im Kapitel 2.3.2.3 beschrieben, lässt sich auch 20 Jahre nach Paines (1994) Forderung nach einem „integrity-based approach“, der dem „compliance-based approach“ vorzuziehen sei, da die Führungskräfte stärker befähigt werden eine ethisch reflektierte Vorbildrolle einzunehmen, kein wesentliches Umdenken fest- stellen. Die Untersuchung in Unternehmen A und B zeigt, dass aus Sicht der Be- fragten noch immer der auf Compliance fokussierte Ansatz dominiert. Diese Entwicklung mag ein Ergebnis der Reaktionen der Unternehmen auf die Regularien nach SOX (2002) und im Bereich der Corporate Governance sein. Es gibt jedoch auch unter den Befragten Anzeichen für ein Umdenken. Ein Trend hin zu ganzheitlicherem Compliance Management wird anhand der Ausführungen einer Führungskraft in Unternehmen A erkennbar (s. IP10, S. 101). Die Kombination zwischen verhaltens- und verhältnisorientiertem Präventionsan- satz im Compliance-Management ist zunächst begrüßenswert, da ein neu erlern- tes Verhalten nur dann nachhaltig gelebt werden kann, wenn die vorhandenen Strukturen es unterstützen oder überhaupt erst ermöglichen. Jedoch braucht es auf Seiten der Individualebene noch einen weiterführenden Schritt um tatsächlich über das Erlernen von (im Wesentlichen) Vermeidungsver- halten hinaus die Kompetenz zur wirtschaftsethischen Urteilskraft auszuprägen.

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