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Unternehmensleitbildern als wirtschaftsethische Herausforderung

103 Ein möglicher Hinderungsgrund neben dem einseitig sanktionsorientierten Comp- liance-Management, sind Rahmenbedingungen die noch immer die ökonomische Performance stärker incentivieren als die sozialgesellschaftliche. 50 Prozent der Probanden differenzieren ungefragt zwischen einerseits Verstößen im Bereich Compliance, für die es klare Handlungsanweisungen gibt, bei deren Nichtbefolgung der Verlust des Arbeitsplatzes bzw. ein juristisches Verfahren droht und andererseits Verstöße gegen „weiche Werte“36 , für die es bis auf das persönliche Gespräch kaum Handlungsansätze gibt, um diese zu identifizieren oder zu ahnden (s. Frage C6, S. 109). Dies lässt vermuten, dass diese Unter- scheidung in einem selbstreflexiven Prozess vorgenommen wurde und die Befrag- ten für die Unterschiede beider „Welten“ sensibilisiert sind. Stellvertretend für viele weitere, soll folgende Aussage stehen: IP14: „Ja gut, da gibt es Hard-Facts und Soft-Facts, sage ich einmal.“ Bei den Probanden, die ausschließlich die Compliance-Thematik erörtern, erfolgt eine Nachfrage zum Umgang mit den so genannten „weichen Werten“. Insgesamt lässt sich feststellen, dass kaum Konsequenzen bei Verstößen gegen „weiche Werte“ beobachtet werden bzw. bis auf wenige Ausnahmen, Probanden keine Kenntnis von unternehmensinternen Mechanismen besitzen, die in solchen Fällen greifen würden. In diesen Fällen sind die Führungskräfte auf sich selbst und ihre persönliche Wahrnehmung sowie Entscheidungskompetenz angewiesen (s. Frage C6, S. 109). Häufig betonen die Probanden, dass es stark von dem jeweili- gen Bereich und von den involvierten Führungskräften abhinge, ob und in welcher Form ein Verstoß gegen „weiche Werte“ geahndet wird. Da dieses Phänomen in beiden Unternehmen verstärkt beobachtet wird, werden im Folgenden jeweils drei Aussagen als Belegzitate wiedergegeben. 36 Mit „weichen Werten“ sind z.B. Umgangsformen wie Respekt und Wertschätzung im Kommunikationsverhalten gemeint. Sie gehören aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu den so genannten „soft facts“, welche Gabler (2015a) wie folgt definiert: „Zu den weichen Faktoren (soft facts) zählen Images, Stimmungen, aber auch Wissen und daraus resultierendes Verhalten (De- /Motivation) sowie Handlungsweisen (Unterstützung/Widerstand). Solche Faktoren heißen weich, weil sie gar nicht oder nur mit Hilfsindikatoren als Kennzahlen darstellbar sind. Ihre ökonomische Handlungsrelevanz ergibt sich aus der Kraft gruppendynamischer Prozesse.“

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