Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Unternehmensleitbildern als wirtschaftsethische Herausforderung

1 1 Einführung „Why Should Anyone Be Led by You?“, dieser provokanten Frage gingen Robert Goffee und Gareth Jones erstmals im Jahr 2000 in ihrem viel diskutierten Artikel im Harvard Business Review nach1 . Nur wenige Führungskräfte und Manager könnten darauf damals wie heute eine spontane und reflektierte Antwort geben. Viele wären jedoch angesichts der gesellschaftlichen Erwartungshaltung gegen- über der modernen Führungskraft sehr engagiert diese zu finden. Führungskräfte sind im Jahr 2015 stärker denn je dazu angehalten ihr persönli- ches Verhalten zu reflektieren, mehr noch, es geht darum Führen zu „lernen“ bzw. in der eigenen Persönlichkeit zu ergründen. Die Definition von Führung sowie die Erwartungshaltungen unterschiedlichster Stakeholder (Mitarbeiter, Unternehmen, Kunden, Gesellschaft etc.) an eine Führungskraft haben sich deutlich hin zu einem ganzheitlicheren, wirtschaftsethischeren Führungsverständnis verschoben. Historisch betrachtet, reichen die Wurzeln der modernen Führungsforschung zu- rück bis in die chinesische Literatur um 600 v. Chr. „Führung wurde dabei stets als einseitige Einflussnahme von Seiten des Führenden in Richtung der Geführten (...) verstanden.“ (Stippler et al., 2011, S. 16) Moderne Führungsansätze hingegen bieten „(...) Strategien für Führungskräfte, um ihre Kernkompetenzen in der Beziehung zu sich selbst, in der Interaktion mit den Geführten und hinsichtlich der Entwicklung einer organisationalen Vision zu entfalten.“ (ebd., S. 83) Die moderne Führungskraft sieht sich heute einer immensen Komplexität in der Bewältigung ihres Führungsalltages gegenüber. Der Ruf nach Leitplanken innerhalb derer sich das Führungs- und Entscheidungs- verhalten entfalten kann findet Resonanz in zahlreichen internen Unternehmens- ordnungen und deren Substituten, so z.B. in Form von Unternehmensleitbildern, Verhaltenskodizes, Wertekatalogen etc. Diese wiederum führen in ihrer Quantität und (größtenteils) fehlenden Passung zueinander häufig genau zum gegenteiligen 1 Sechs Jahre später wurde der Artikel in einer Publikation veröffentlicht (Goffee & Jones, 2006).

Seitenübersicht