Die Moderationsmethode / Die SIX STEPS® von der Pike auf:
Mit der Moderationstechnik, Gruppen effizient
und zielführend leiten.
Die MODERATIOnsMETHODE® ist die Basis professioneller Moderation. Sie hilft Ihnen, in Gruppengesprächen Themen strukturiert, zeiteffizient, ziel- und ergebnisorientiert zu bearbeiten, alle Teilnehmer in den Prozess einzubinden und zu Beschlüssen zu kommen, die von allen mitgetragen werden. Moderation ist deshalb eine zentrale Schlüsselqualifikation für Sie als Führungskraft, ProjektleiterIn, OE- und PE-Verantwortliche/n, BeraterIn und ChangeManagerIn.
Inhalte:
Welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Moderation gegeben sein müssen.
Worauf Sie bei der Zusammensetzung einer zu moderierenden Gruppe achten sollten.
Worauf Sie bei der Auswahl der Medien und Hilfsmittel acht geben sollten.
Wie Sie eine professionelle Moderation aufbauen.
Wie Sie alle in den Arbeitsprozess einbeziehen.
Welche Einzeltechniken es in der Moderation gibt und wie Sie diese effektiv einsetzen.
Wie Sie die einzelnen Moderationsschritte planen.
Wie Sie eine komplette Moderation konzipieren und vorbereiten.
Wie Sie Verlauf und Ergebnis strukturiert visualisieren
Was Sie beachten müssen, um zu einem sauberen Abschluss einer Moderation zu gelangen.
Beispiele, wofür Sie dieses Know-how nutzen können:
Eine Führungscrew trifft sich, um zu klären, wie die Vorgabe des Top-Managements, 10% Kosten zu senken, konkret umgesetzt werden kann.
Ein Team setzt sich zusammen, um zu überlegen, welche Auswirkungen neue rechtliche Rahmenbedingungen im gesamten Unternehmen haben werden.
Mitarbeiter treffen sich, um über Qualitätsverbesserungen in ihrem Arbeitsumfeld nachzudenken.
Nach einem halben Jahr in der neuen Organisationsstruktur ziehen die Betroffenen Bilanz.
Nach der Umstrukturierung sind die Abläufe und Prozesse unklar. Alle setzen sich zusammen, um über ihre Arbeitsabläufe nachzudenken.
Kundenbeschwerden belasten die Geschäftssituation. Die Führungskräfte setzen sich zusammen, um Ursachen zu benennen und Lösungen zur Steigerung der Kundenorientierung und -zufriedenheit zu definieren.
Arbeitsweise:
Nach kurzen Theorie-Inputs und – wo immer möglich und sinnvoll – ausführlichen Demonstrationen durch den Trainer / die Trainerin erhalten Sie Gelegenheit die vermittelten Inhalte zu üben und so Theorie und eigene Erfahrungen zu verknüpfen. Wir arbeiten mit dem für das jeweilige Thema geeigneten Medienmix; bei Bedarf setzen wir Video-Technik ein. Wo immer möglich arbeiten wir mit Beispielen aus Ihrer Arbeitswelt. Gemeinsam mit dem Trainer / der Trainerin reflektieren Sie Ihre Übungen und planen jeweils den Transfer in Ihre berufliche Praxis.
Die MODERATIO-NOTIZ #1 -
Moderation: Was ist das eigentlich?
Moderation ist ein vielgebrauchter Begriff: Die Moderation im Fernsehen dürfte hierfür das populärste Beispiel sein. Was aber bedeutet der Begriff wirklich? Und was bedeutet er im Zusammenhang mit betrieblicher Bildung, Personalent- wicklung, Unternehmens- oder Organisationsentwicklung?
Der Begriff Moderation ist ein Urwort des Menschen, das zu unterschiedlichen Zeiten für Unterschiedliches stand. Verfolgt man das Wort Moderation vom Maß der Griechen, über das Augenmaß der Römer, die Mäßigkeit der Mönche, die Maße des mittelalterlichen Richters, den maßvollen Fürsten bis hin zum mittelmäßigen Bürger und dem unmäßigen Schwätzer in unseren Tagen, so hat Moderation immer etwas mit Messen, Maß halten, Mäßigen zu tun gehabt (vgl. Ziegler 1994). Dies trifft auch heute den Bedeutungskern. Verwandt wird der Begriff Moderation heutzutage vor al-lem in den Bereichen Unterhaltung und Information sowie Lernen und Problemlösungsarbeit in Organisationen.
Im Bereich der Unterhaltung, zum Beispiel im Rahmen einer Rundfunksendung, geht es darum, „die Kommunikation entsprechend bestimmter sende- dramaturgischer Vorstellungen zu einem ‘spannenden’, ‘kurzweiligen’, ‘informativen’ und ‘unterhaltsamen’ Sendeganzen zu synthetisieren“ (Troesser 1986, S. 293), salopp ausgedrückt verfolgt man das Ziel, die Menschen zu informieren und / oder ihnen „die Zeit zu vertreiben“.
Im Bereich der Information, etwa im Rahmen von Kongressen, geht es darum, zwischen den einzelnen Veranstaltungs-teilen oder -beiträgen „rhetorische Brücken“ zu bauen und durch Fragen, Provokation ... den Erkenntniswert der Veranstaltung zu fördern.
Im Bereich des Lernens ist Moderation eine „Lehrmethode“ mit deren Hilfe Lernende gemeinsam ein Wissensgebiet (oder einen Aspekt daraus) bearbeiten. Der Lehrer übernimmt dabei die Rolle des Moderators, der der Gruppe hilft, ihr Wissen zu strukturieren, ohne daß er selbst inhaltlich mitarbeitet.
Bei der Problemlösungsarbeit hingegen geht es darum, Betroffenen zu helfen, im Rahmen eines Gruppengespräches ein gemeinsames Problem zu lösen. Der vorliegende Text behandelt diesen Bereich.
Die Moderation von Gruppen
Ein zentrales Mittel zum Finden von Problemlösungen ist in modernen Organisationen das Gruppengespräch, das dazu dient, Problemstellungen zu erörtern und Beschlüsse zur Problemlösung zu erarbeiten. Da Beschlüsse immer dann am tragfähigsten sind, wenn sich alle Beteiligten darin wiederfinden, ist es wichtig, daß die entsprechenden Gespräche angeregt und lebendig sind, jeder zu Wort kommt und seinen Standpunkt vertreten kann. Damit es dann aber nicht zum unmäßigen Geschwätz oder gar zum Streitgespräch wird, muß es gemäßigt, gezügelt also moderiert werden.
Je stärker der einzelne inhaltlich betroffen und „von seiner Sache überzeugt“ ist, desto schwieriger ist es für ihn, sich neutral zu verhalten, Meinungen einander gegenüberzustellen und sich und damit das Gespräch zu mäßigen, zu moderieren. Im Idealfalle wird deshalb ein „neutraler Dritter“ damit betraut, die Gruppenmitglieder zu moderieren und den Gesprächsverlauf zu strukturieren. Diese Person ist dann der Moderator.
Von Moderation spricht man im Zusammenhang mit Gruppengesprächen allerdings nur dann, wenn der Leiter / Moderator mit der sogenannten Moderationsmethode arbeitet.
Die MODERATIOns-Methode™
In den 60er Jahren wurde vom „Quickborner Team“ (einer Unternehmensberatungsgeselschaft) und dessen Folgeorganisationen eine spezielle Art entwickelt, Gruppengespräche zu gestalten. Es entstanden die „Metaplan-Methode“ und die „ModerationsMethode“.
In der Folge wurden von vielen Beratern und Trainern Variationen entwickelt und in der "Moderationsausbildung" oder "Moderatorenausbildung" geschult.
Meist wurde dafür die Bezeichnung „Moderationsmethode“ benutzt. Was heute unter dieser Universalbezeichnung angeboten wird, ist nahezu unüberschaubar. Selbst die einschlä- gige Literatur ist äußerst unterschiedlich in ihrer Darbietung der Thematik.
Will man Orientierung darüber gewinnen, welche Ansätze praktische Relevanz erlangt haben, kann man sich im Grunde nur auf die Standardwerke der Moderationsliteratur stützen. Hierzu muß - mit zwischenzeitlich weit über 500.000 verkauften Exemplaren – zweifelsohne auch „Visualisieren - Präsentieren - Moderieren“ aus dem GABAL Verlag gezählt werden.
Die dort dargestellte Methodik basiert auf der klassischen ModerationsMethode nach Klebert et al Sie ist ergänzt um ein Strukturmodell, den MODERATIOnsZYKLUS, zur Strukturierung einer gesamten Moderation und um zusätzliche Methoden zur Themenbearbeitung.
Diese von Josef W. Seifert, von MODERATIO „komponierte“ und seit vielen Jahren vermittelte, spezielle Art der Gestaltung von Gruppengesprächen nennen wir „MODERATIOnsMETHODE™“. Sie ist gekennzeichnet durch sieben wesentliche Merkmale:
Spezifische Sitzordnung / Raumgestaltung
Spezielle Medien und Hilfsmittel
Arbeiten nach dem MODERATIOnsZYKLUS
Prozeßbegleitende Visualisierung
Arbeiten mit speziellen Problemstrukturierungsmethoden
Einnehmen einer speziellen Grundhaltung
Nutzen einer speziellen Fragetechnik
Die integrative Kombination aller Merkmale schafft beste Voraussetzungen für den Erfolg einer Moderation.
1) Die spezifische Sitzordnung / Raumgestaltung
Bei der Gestaltung von Gesprächen nach der MODERATIOnsMethode™ arbeitet man im Workshop1 ohne Tische, im offenen Stuhlkreis. Dies hat verschiedene Vorteile:
Jeder kann jeden sehen und unmittelbar mit ihm kommunizieren.
Die physische Barriere zwischen den Teilnehmern fällt weg; man sitzt sich „offen“ gegenüber.
Jeder kann (im Bedarfsfalle) ungehindert nach vorne zu den Medien gehen und etwas visualisieren.
Wichtig ist, daß die Teilnehmer nicht wie im Kino hintereinander oder wie in der klassischen Konferenzsituation nebeneinander, sondern einander zugewandt sitzen. Kleine Ablagetische, zwischen den Stühlen können durchaus hilfreich sein.
2) Die speziellen Medien und Hilfsmittel
Moderation bedarf spezieller Medien und Hilfsmittel2. Diese sind:
Pinwand bzw. Pinboard
Flip-Chart
Moderationsmaterial
Der Einsatz dieser Medien und Hilfsmittel ermöglicht das Arbeiten mit speziellen Techniken, wie etwa der bekannten „Kartenabfrage“.
3) Arbeiten nach dem MODERATIOnsZYKLUS
Der MODERATIOnsZYKLUS ist ein Strukturmodell (vgl. Seifert 1999c, S. 88) für den Ablauf einer kompletten Moderation. Er teilt die Arbeitszeit der Gruppe in die „Zeitscheiben“: Einsteigen, Sammeln, Auswählen, Bearbeiten, Planen und Abschliessen und gibt damit eine klare Struktur für die gemeinsame Arbeit vor.
4) Prozeßbegleitende Visualisierung
Moderation lebt von Visualisierung. Sowohl die Ergebnisse als auch der Verlauf der gemeinsamen Arbeit werden „schwarz auf weiß“ festgehalten. Warum ist das wichtig?
Nun, „im normalen Sprechverkehr kann ein Zuhörer maximal 8 bit/sec verstehend emp-fangen. Der Sprecher ist jedoch in der Lage, etwa 60 bit/sec zu erzeugen. Das bedeutet, daß Sprechen in informativer Absicht hochredundant sein muß“ (Lay 1978, S. 150). Da dies aber die wenigsten von uns in einem (vielleicht hitzigen) Gruppengespräch beherzigen (können), muß die Information komprimiert und visualisiert werden, um das einmal Gesagte dauerhaft zur Verfügung zu haben. Wesentlich ist, daß die Visualisierung kontinuierlich für alle Gesprächsteilnehmer sichtbar sein muß. Dadurch ist die Nutzung von Overhead-Projektoren ausgeschlossen; es werden die bereits angesprochenen Medien Pinwand und Flip-Chart verwandt.
5) Arbeiten mit speziellen Problemstrukturierungsmethoden
Zur Strukturierung und Visualisierung der gemeinsamen Arbeit stellt die MODERATIOnsMETHODE™ für jeden Schritt
der Problemlösearbeit spezielle Methoden zur Verfügung. Diese reichen vom „Orientierungsflip“ im Schritt 1 bis zum „Abschlußblitzlicht“ im Schritt 63. So kann der Moderator im gesamten Arbeitsprozeß die Aufmerksamkeit der Gruppe auf den jeweils aktuellen Punkt konzentrieren.
6) Einnehmen einer speziellen Grundhaltung
„Grundsätzlich kann man sagen, daß es sich auf die Leistung von Gesprächsgruppen positiv auswirkt, wenn sich der Gesprächsleiter als Fachmann für Wege und Abläufe und nicht als Experte für den Gesprächsinhalt versteht“ (Myhsok 1993, S. 98). Dies ergibt sich im Grunde bereits aus der Wortbedeutung und der daraus dem Moderator zukommenden Rolle. Er hat sozusagen „von berufs-wegen keine Meinung“ zu haben.
In der Praxis ergeben sich aber unterschiedliche Situationen, und oftmals ist es gar nicht so einfach, diese neutrale „Moderatorenhaltung“ einzunehmen:
Fall A: Der Moderator ist der (externe) neutrale Dritte
Dies ist die Idealbesetzung. Der Moderator kann problemlos die Moderatorenhaltung einnehmen, da er inhaltlich „keine Aktien“ hat.
Fall B: Der Moderator ist der Probleminhaber
In diesem Fall geht es nur über den Kompromiß der Doppelrolle. Der Moderator muß als „Primus inter pares“
auch die Teilnehmerrolle wahrnehmen. Als äußeres Zeichen, in welcher Rolle er gerade agiert, kann er beispielsweise in der Moderatorenrolle stehen und in der Teilnehmerrolle sitzen (vgl. Seifert 1999a, S. 22 ff). Inhaltlich muß er als (besonders konstruktives) Gruppenmitglied agieren und alle Beiträge gleichermaßen gelten lassen, die aus der Gruppe und die eigenen. Je „heißer“ das Thema ist und je stärker er inhaltlich involviert ist, desto schwieriger wird es für ihn sein, dieses Doppelleben zu führen und desto sinnvoller wird es sein, sich um einen neutralen Dritten zu bemühen, den „klassischen“ Moderator.
Fall C: Der Moderator hat auch beratende Funktion
Moderation und (Fach-) Beratung schließen einander nicht grundsätzlich aus. Auch in der Rolle des Ratgebers kann man moderierend wirken. Der Moderator darf nur nicht selbst Partei werden, z.B. für den von ihm eingebrachten Vorschlag. Auch er hat, wie im Fall B, eine Doppelrolle zu spielen.
7) Nutzen einer speziellenFragetechnik
Sich inhaltlich herauszuhalten und gleichzeitig den Arbeitsprozeß einer Gruppe zu steuern, ist nicht aus einer „Besserwisser-“ oder “Sagehaltung“, sondern nur aus einer fragenden Haltung heraus zu bewerkstelligen. Das Beherrschen professioneller Fragetechniken ist daher unabdingbar für jeden Moderator (vgl. Seifert 1999a, S.88 ff). Die MODERATIOnsMETHODE™ beinhaltet deshalb drei sich ergänzende Fragetechniken:
Offenes Fragen
Spiegelndes Fragen
Metamodell Fragen
Diese Fragetechniken dienen dazu, dem Moderator zu helfen, die geforderte spezielle Grundhaltung einzunehmen, sich in-haltlich herauszuhalten und stattdessen die Vorstellungen, das Wissen ... der Gruppenteilnehmer für den gemeinsamen Arbeitsprozeß nutzbar zu machen.
Die Literatur zu dieser Ausgabe:
Lay, Rupert; Führen durch das Wort; Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig; 2. Auflage; München 1978
Myhsok, Dieter; Gesprächsgruppen in Organisationen; Hartung-Gorre Verlag; 1. Auflage; Konstanz 1993
Seifert, Josef W.; Besprechungs-Moderation; GABAL Verlag; 4. Auflage; Offenbach 1998
Seifert, Josef W.; Moderation & Kommunikation; GABAL Verlag; 2. Auflage; Offenbach 1999a
Seifert, Josef W.; Visualisieren - Präsentieren - Moderieren; GABAL Verlag; 13. Auflage; Offenbach 1999b
Troesser, Michael; Moderieren im Hörfunk; Max Niemeyer Verlag; 1. Auflage; Tübingen 1986
Ziegler, Albert in: Wohlgemuth, André; Moderation in Organisationen; Verlag Paul Haupt; 1. Auflage; Bern, Stuttgart, Wien 1994