Sie sind Manager, Führungskraft, Führungsnachwuchs oder Projektleiter und befinden sich in einer Konfliktsituation. Es klappt mit Geschäftsleitungskollegen, Teammitgliedern oder Mitarbeitern nicht (mehr) wie es für eine effektive Zusammenarbeit klappen müsste. Das Ganze ist neu und überraschend oder geht vielleicht
schon "eine ganze Weile" so.
Sie fragen sich,
was Sie tun können, um die verfahrene Situation (endlich)
zu klären,
zu bessern oder zu retten?
Wir unterstützen Sie, sich Klarheit zu verschaffen,
wie es weiter gehen kann. Wir klären mit Ihnen, in einem vertraulichen Gespräch, die Situation und entwerfen eine pragmatische Strategie zur Konfliktbearbeitung. Inhalt der Beratung ist Ihr Anliegen,
sehr hemdsärmelig und konkret.
Konfliktcoaching bedeutet Unterstützung dabei, sich darüber klar zu werden, was eigentlich "los ist", wie das Mobile "tickt" und was man tun kann, um aus dem Schlamassel rauszukommen. Es ist für Konfliktcoaching nicht erforderlich, dass die Gegenpartei bereit ist den Konflikt zu klären ...
Konfliktcoaching ist für Manager, Führungskräfte und Führungsnachwuchskräfte sowie Projektleiter und Leiter anderer Teams das Mittel der Wahl, wenn Konflikte sich nicht so einfach "in den Griff kriegen" lassen. Es geht im Konfliktcoaching darum, eine persönliche Strategie für einen optimalen Umgang mit der Situation zu finden um Entlastung, Sicherheit, Ruhe und Gelassenheit für sich persönlich und die volle Leistungsfähigkeit für das Miteinander zu erreichen.
Ein erstes Konfliktcoaching kann auch am Telefon stattfinden -
Rufen Sie jetzt an und Sie sind einen Schritt weiter!
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PS:
Im Konfliktcoaching muss man sich bewußt sein, dass man "die Anderen" nicht in die gewünschte Richtung zwingen, aber sein eigenes Verhalten optimieren kann. Damit wird Konfliktcoaching zu
einem Arbeiten am eigenen Verhaltensrepertoire: Wir arbeiten daran, wie wir mit dem/den Anderen anders, für die Erfordernisse "geschickter" umgehen
können, was eine gute Strategie ist, den Konflikt zu minimieren, zu klären, zu lösen. Konfliktcoaching hat das Ziel, klarer zu sehen, "was da abläuft", wodurch die Schwierigkeiten entstanden sind oder/und immer wieder neu entstehen. Und Konfliktcoaching hilft dabei konkrete Verhaltensalternativen zu erarbeiten, die helfen können, (endlich) aus dem Teufelskreis auszubrechen ...
Das Buch zum Thema Konfliktcoaching/Konfliktmoderation:
Josef W. Seifert
Moderation und Konfliktklärung
GABAL Verlag 2009
Inhalt
Vorwort
Zum Buch
Konfliktmoderation – Grundsätzliches
Inhalt und Beziehung
Der Aspekt ES
Der Aspekt DU
Der Aspekt ICH
Konfliktgenese
Stufe A: Irritation/Verärgerung
Stufe B: Verletzung
Stufe C: Hass
Konfliktmoderation – Situations- und Auftragsklärung
Typische Denkfehler
Konflikte sind schlecht
Hinterher ist es so, wie es einmal war
Konfliktbearbeitung bedeutet Konfliktlösung
Eine Lösung muss schön sein
Ein Konflikt muss analysiert werden
Situationsscreening
Umfeld
Innenraum
Rückspiegel
Frontscheibe
Zu klärende Aspekte
Echtheit des Anliegens
Verhandlung oder Klärung
Stand der Dinge
Art der Konfliktaustragung
Historie
Abgrenzung des Systems
Grundsätze zur Konfliktklärung
Entscheidungsgewalt
Vertretung
Anwesenheitspflicht
Anfang und Ende
Informell…
Offenheit
Rechtsweg
Die Konfliktklärung: Der Dialog
Der Moderationszyklus zur Konfliktklärung
Schritt 0: Medien, Sitzordnung & Co.
Schritt 1: Einsteigen
Schritt 2: Sammeln
Schritt 3: Auswählen
Schritt 4: Bearbeiten
Schritt 5: Planen
Schritt 6: Abschließen
Methodenkatalog
Zuhören
Fragen
Feedback
Doppeln
Sachmoderation
Theoretischer Background
Widmer´s Kern-Schalen-Modell
Riemann´s Grundformen der Angst
Peseschkian´s Traumen
Freud´s Abwehr
Watzlawick´s Axiomne
Ach Du dickes Ei – was tun, wenn…?
Übrigens
Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen
Stichwortverzeichnis
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Aspekte zum Hintergrundwissen für Konfliktcoaching
Psychologie der Konfliktlösung
Konflikteskalation
(Hintergrundwissen für Konfliktcoaching)
Soziale Konflikte tendieren häufig zur Eskalation. Ob
Ehestreit, Konflikte am Arbeitsplatz, Diskrepanzen
zwischen Eigentümern, Gesellschaftern oder Unternehmen,
Tarifstreit, Regierungskrise oder zwischenstaatliche
Konflikte - es tauchen immer wieder typische
Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster auf, mit
denen der Konflikt eine destruktive Eigendynamik
entwickelt.
Vielfältige Konzepte und Forschungsergebnisse aus
der Psychologie bieten Erklärungsansätze, um die
Grundmuster der Eskalation sozialer Konflikte verständlich
zu machen. Teilweise werden dabei auch
innerseelische Konflikte der Beteiligten als Ursache
oder Teil des Wirkungsgefüges gesehen. Beispielhaft
sei hier das psychoanalytische Verständnis von Feindbildern,
wie es die Psychoanalytikerin Thea Bauriedl
in dem Buch „Wege aus der Gewalt“ (Bauriedl, 1992) überzeugend darstellt, kurz zusammengefasst.
Thea Bauriedl bringt auch den Verlust von Gefühlen
mit dem Erleben von Verunsicherung, seelischer Destabilisierung
und Feindbildern in Zusammenhang:
„Im Zustand der Verunsicherung suchen wir automatisch
nicht nach unseren Gefühlen, sondern nach
dem ‚Schuldigen’. So wird versucht, die eigenen
Schmerzen und Ängste gegen den ‚Schuldigen’... ‚auszutreiben’ „ (Bauriedl, 1992, Seite 119).
„Die diffuse Angst nimmt ab, wenn man weiß, wer
einen bedroht, wer böse oder minderwertig ist, und
dass man selbst ‚gut’ ist.“ (S. 26).
„In Streitigkeiten zwischen Paaren und zwischen
Politikern ... wimmelt es von Begründungen, die die
darunter liegenden Gefühle schützen und verbergen
sollen“ (S. 150).
Konfliktfähigkeit bezeichnet Bauriedl als „die Fähigkeit,
die Vielfalt der Meinungen, Interessen und Gefühle
auszuhalten und ohne Abspaltung in das eigene
Bild von der Welt zu integrieren“ (Seite 150). Die Eskalation
von Konflikten - Bauriedl spricht von der Kettenreaktion
der Gewalt - wird verstärkt durch Schuldgefühle
und Erfolgsfantasien (S. 121).
Ausführlicher und systematischer analysiert Friedrich Glasl die Eskalationsdynamik (Glasl, 2004), wobei er
unter anderem auch auf den Abwehrmechanismus der Projektion und die damit einhergehende Selbstfrustration
zurückgreift.
Bei Glasl wird die zentrale Bedeutung von erlebter
Komplexität und den Versuchen ihrer Bewältigung
deutlich: Im Verlauf der Eskalation regredieren die
Konfliktparteien stufenweise zu immer einfacheren,
weniger differenzierten Wirklichkeitskonstruktionen
und reflexhaften Reaktionsmustern. Gleichzeitig bewirkt
das wechselseitige Ringen um Einflussmöglichkeiten
und Macht durch die Issue-Lawine und die
soziale Ausweitung des Konflikts eine Zunahme der
Konfliktkomplexität.
Die meisten der hier genannten Reaktionsmuster, welche
die Konflikteskalation vorantreiben, können auch
mit der Angst vor Kontrollverlust erklärt werden. Kontrolle
ist hier im allgemeinen Sinne von Handlungsfähigkeit
und Vermeidung unerwünschter Konsequenzen
und nicht als „Manipulation anderer“ verstanden.
Kognitive Rigidität, Emotionen wie Angst, Wut und
Hilflosigkeit, Regression und zunehmende Machtorientierung
können als Versuche gesehen werden,
die Kontrolle wiederherzustellen, welche durch die
Unentscheidbarkeit und zunehmende Schwierigkeit
und Komplexität des Konfliktes, verstärkt durch verunsichernde Randbedingungen (unklare Ziele, Bewertungen
und Konsequenzen, fehlendes Vertrauen,
Zeitdruck und vieles mehr), als massiv bedroht erlebt
wird. Dieser Stress verringert die Fähigkeit, komplexe
Probleme zu bewältigen. Das Denken wird starrer,
das Auftreten radikaler und die Forderungen extremer
(Glasl, 2004, Seite 216).
Kann die Eskalations-Spirale
aus erlebtem Kontrollverlust und Regression, von Angriff
und Verteidigung, nicht zum Stoppen gebracht
werden, so landen die Beteiligten schlimmstenfalls
bei den primitivsten, entwicklungsgeschichtlich ältesten
Reflexen von Wut und Angst, dem Zuschlagen
oder Weglaufen.
Konfliktlösungen (Hintergrundwissen für Konfliktcoaching)
Aus der Fülle von Verfahren und Interventionstechniken
seien hier nur vier Vorgehensweisen beispielhaft
genannt, anhand derer ich einige Grundprinzipien
konstruktiver Konfliktbearbeitung darstellen lassen.
In der professionellen Mediation finden sich alle vorgestellten
Ansätze der Konfliktlösung wieder. Nur auf
der Basis inhaltlicher Abstinenz und einer klaren Rollentrennung
zwischen der Prozessverantwortung des
Mediators und fachlicher Beratung zur Sache durch
andere Personen, kann der Mediator seine Gestaltungsmacht
voll entfalten und so eine konstruktive
Arbeitsatmosphäre und die Entwicklung einer einvernehmlichen
Lösung wahrscheinlicher machen. Eine
konsequent zielorientierte Prozessführung ermöglicht
im Zusammenwirken von „Gefühlsarbeit“ („geschützter
Raum“, Beziehungsklärung) und „Sacharbeit‘“ (strukturierte Bearbeitung, Interessenklärung, gemeinsame
Lösungssuche) eine deutliche Verringerung des von den Konfliktparteien erlebten Kontrollverlusts und seiner destruktiven Konsequenzen.
Allein
schon durch professionelle Visualisierung und zeitliche Strukturierung auf dem Qualitätsniveau professioneller Moderationstechnik kann die erlebte Komplexität deutlich verringert werden. So kann sich die Eigendynamik
einer respektvollen, kooperativen Problemlösung, die sich an den Interessen beider Seiten orientiert, entwickeln.
Konflikteskalation ebenso wie eine konstruktive Konfliktbearbeitung bilden aufgrund ihrer Eigendynamik zwei
mögliche, in sich relativ stabile, strukturelle Muster für den Verlauf eines Konfliktes. Bei geeigneten Interventionen
und Rahmenbedingungen wechselt das System vom einen in den anderen Zustand. Dies kann man sich
am Beispiel unterschiedlicher Strömungsmuster veranschaulichen, die Flüssigkeiten bei starker Erhitzung
bilden, wobei sie spontan von einer Ordnung zu einer anderen wechseln.
Kommunikation
(Hintergrundwissen für Konfliktcoaching)
Unter Zuhilfenahme einiger Grundbegriffe der Theorie
sozialer Systeme von Niklas Luhmann soll hier nun
versucht werden, die bisher vorgetragenen Aspekte
von Konflikteskalation und Konfliktlösung in einen
theoretischen Rahmen einzubinden. Die Ausführungen
im ersten Teil des Vortrags führten uns von den
innerseelische Strukturen, von den Gedanken und
Gefühlen bei den Konfliktbeteiligten (Feindbild, Verletzung
von Ich-Grenzen, Abspaltung, erlebte Komplexität,
Angst vor Kontrollverlust und vieles mehr)
zur Kommunikation zwischen den Beteiligten (Beziehungssystem,
Ich-Botschaft, Zwiegespräch, Verhandeln,
Vermitteln).
Der Begriff der Kommunikation wird von Luhmann
(Luhmann, 1984) als Einheit von Information, Mitteilung
und Verstehen definiert (und nicht als Kausalkette
von Sender - Information – Empfänger). Damit
entfernt er sich sowohl vom Alltagsdenken als auch
von sozialwissenschaftlichen Traditionen.
Soziale Systeme wiederum bestehen aus der Abfolge
von Kommunikationen - und sonst nichts! Also nicht
aus Menschen und deren Interaktionen, wie es das
vorherrschende Verständnis war (und vielfach ist).
Psyche und Körper (biologische Systeme) des Menschen
werden ebenso wie andere, notwendige Rahmenbedingungen
von Kommunikation als Umwelt sozialer
Systeme betrachtet. Umgekehrt bilden soziale
Systeme eine bedeutsame (und unverzichtbare) Umwelt für die menschliche Psyche, die Welt unserer individuellen
Gedanken und Gefühle.
Die Umwelt stellt den sozialen Systemen Möglichkeiten zur Verfügung. Welche Möglichkeiten das System
nutzt, welche Kommunikation als nächstes folgt und das System erhält (weil es nur besteht, solange Kommunikation
stattfindet) wird durch die Struktur des Systems bestimmt. Das bezeichnet Luhmann als strukturdeterminierte
Selbstorganisation. Die Psyche und die anderen relevanten Umwelten sozialer Systeme, bestimmen
nur, was nicht geht in der Kommunikation, und nicht, was geht. Feindbilder beispielsweise sind eine Möglichkeit
zur seelischen Stabilisierung, die auch in der Kommunikation - auch für große Gruppen - übernommen
werden kann und dann auch eine stabilisierende Wirkung für das soziale System entfaltet (Beispiel Rassismus).
Die individuelle, innerseelisch determinierte Bereitschaft zu Feindbildern determiniert jedoch nicht im
strengen kausalen Sinne kollektive Feindbilder. Auf der Basis vorangegangener Kommunikation, aufgrund von
Erwartungen, die soziale Strukturen begründen, beispielsweise die von Bauriedl geforderte Erfahrung eines
lebendigen Gesprächs, können sich auch andere Wege der Stabilisierung in der Kommunikation entfalten.
Hierin liegt die Chance der Konfliktlösung durch Mediation: der Mediator kommuniziert auch und wird Teil des
sozialen Systems „Konflikt“ über die Kommunikationen, bei denen er beteiligt ist. Unter den zuvor genannten
Bedingungen nutzt er seine Gestaltungsmacht um einen konstruktiven Dialog wahrscheinlicher zu machen.
Mediation zielt nur auf die Veränderung von Kommunikation, nicht auf die Veränderung von Menschen (was
als Nebeneffekt gleichwohl gut möglich ist). Der Mediator muss daher zuallererst ein Experte für Kommunikation
sein. Durch seine Interventionen (=Kommunikationen) entstehen Chancen für die Lösung des Konfliktes,
die den Konfliktbeteiligten alleine nicht zugänglich waren.
Die Konstrukte (Unterscheidungen) der Theorie sozialer Systeme ermöglichen eine klarere und konsistentere
Bestimmung der Konzepte, die für die vorgestellten Ansätze konstruktiver Konfliktlösung verwendet werden:
Die Unterscheidung von innerseelischen Ereignissen und zwischenmenschlichen Ereignissen (=
Kommunikation, die soziale Systeme bildet) führt zu einer klaren Unterscheidung von innerseelischem
und sozialem Konflikt.
Ein sozialer Konflikt ist ein soziales System (gewalttätige Beziehungsstruktur bei Bauriedl), eine Kette
von Kommunikationen. Je mehr dieses System seine eigenen Regeln entwickelt („Wie Du mir, so ich
Dir“ beispielsweise), desto mehr grenzt es sich ab von anderen Kommunikationen und entfaltet seine
Eigendynamik, möglicherweise in Richtung Eskalation (Eskalationsprozesse bei Glasl).
Konflikte löst man, indem man die Kommunikation verändert und nicht die Menschen.
Die parallel zum Konflikt ablaufenden innerseelischen Vorgänge, das Erleben der beteiligten Menschen,
ist für den Konflikt (als System betrachtet) Umwelt und nicht Teil des Systems. Die Umwelt
bestimmt nur was nicht geht und nicht was geht im System.
Der Respekt für unterschiedliche Sichtweisen ist aus systemtheoretischer Sicht kein moralisches Gebot
sondern logische Konsequenz der unüberbrückbaren Grenze zwischen den Erlebniswelten verschiedener
Menschen. Du-Botschaften können keine Feststellungen sein, sondern nur Hypothesen:
Wir der andere etwas sieht und fühlt ist mir nie direkt zugänglich, kann nie Teil meiner Erlebniswelt
sein (ist Umwelt für mich im systemtheoretischen Sinne). Ich-Botschaften sind Selbstoffenbarungen,
die keine Rechtfertigung brauchen und zum Dialog, zum friedensstiftenden Gespräch im Sinne Bauriedls
einladen.
Die Schwierigkeiten, Kommunikation als eigenständiges Ereignis und Element sozialer Systeme zu denken,
korrespondiert mit den Schwierigkeiten, Mediation und verwandte Verfahren zur Konfliktlösung zu vermitteln:
es fehlt die Fantasie und die Erfahrung, dass jemand, der „nur“ Kommunikation gestaltet und verändert, damit
die entscheidenden Voraussetzungen zur Lösung massiver Konflikte schafft.
Angesichts der Komplexität und Ungewohntheit der systemtheoretischen Sichtweise sei hier auf die hervorragende,
kompakte Einführung von Fritz B. Simon verwiesen (Simon, 2006).
Geschichte der Konfliktlösung
(Hintergrundwissen für Konfliktcoaching)
Die Interpretation sozialer Konflikte als soziale
Systeme führt uns zwangsläufig zu einem historischen
Blick auf das Problem der Entstehung und
Lösung von Konflikten, auf den historischen Wandel
der entsprechenden sozialen Strukturen. Die
Analysen zum Prozess der Zivilisation von Norbert
Elias nehmen die Sichtweise der Theorie sozialer
Systeme meines Erachtens bereits ein gutes
Stück vorweg und bieten wertvolle Anregungen für
ein vertieftes Verständnis sozialer Konflikte.
In den Zeiten schwacher sozialer Systembildung
herrschte der Machtkampf zur Lösung von Konflikten
vor. Mit der Ausbildung sozialer Einheiten
entstehen neue Konfliktpotenziale durch die Notwendigkeit
zu gemeinsamen Entscheidungen. Diese
Konflikte werden durch Hierarchien, also durch
Machtunterschiede gelöst, um Entscheidungs- und
Handlungsfähigkeit herzustellen. Unklare Machtpositionen
führen zu verlustreichen Machtkämpfen.
Stabile Machtmonopole dagegen ermöglichen die
beginnende Pazifizierung innerhalb dieser sozialen
Einheiten. Mit Hierarchie und sozialer Abhängigkeit
entsteht die Notwendigkeit zur Kontrolle von Affekten,
wie sie Elias für unterschiedliche Lebensbereiche
ausführlich dokumentiert. Ob Lehnsherr oder
Hofnarr: Abhängige, „sozial eingebundene“ Menschen
müssen lernen, ihre Gefühlsreaktionen zu
kontrollieren, um das Überleben in ihrer sozialen
Position sicherzustellen. Der Verlust von Gefühlen (Bauriedl) wird möglich und mit fortschreitender Zivilisierung
der Menschen wahrscheinlicher. Zunehmende Arbeitsteilung, Vernetzung und soziale Differenzierung
bringen zunehmende Abhängigkeit und weitere Widersprüche und Konfliktpotenziale. Die Konfliktlösung durch
Machtunterschiede beweist sich immer mehr als zu langsam, verlustreich, für die Beteiligten unakzeptabel,
weil ungerecht und vor allem als wenig effektiv, denn Interessenkonflikte werden nicht aufgearbeitet.
Neben anderen Teilsysteme der Gesellschaft entsteht ein Rechtssystem, immer auf der Basis des staatlichen
Machtmonopols, das eine völlig neue, verbesserte Form der Konfliktbearbeitung einführt: die Entscheidung
wird an einen Richter delegiert. Dieser soll unbeeinflusst nach ausformulierten Regeln der Gerechtigkeit im
Rahmen festgelegter, formaler Abläufe ein Urteil fällen. Das destruktive Potenzial sozialer Konflikte, die durch
das Aussetzen von Entscheidungen wichtige Abläufe unterbricht, wird gebannt. Langsam sterben archaische
Formen der Konfliktbearbeitung, wie Blutrache, Selbstjustiz, Faustrecht, Duell oder Ehrenmord aus.
Komplexe soziale Systeme müssen aus sich selbst heraus beständig Konflikte produzieren, um sich an veränderte
Umweltbedingungen anpassen zu können (weil sie operational geschlossene Systeme sind). Die
Effektivität der Konfliktbearbeitung entscheidet über Anpassungsfähigkeit und Überleben der Systeme. Der
Prozess der Zivilisation als zunehmende Vernetzung, Arbeitsteilung, Abhängigkeit, Beschleunigung von Kommunikationen
und Ausdifferenzierung von Teilsystemen und Rollen schreitet immer weiter voran und bringt
neue Konfliktpotenziale. Die eingefahrenen Verfahren der Konfliktbearbeitung stehen erneut auf dem Prüfstand:
zu langsam, zu verlustreich auf der Beziehungsebene, zu wenig effektiv in der Lösung der zu Grunde
liegenden Problee!
Die Entwicklung und Institutionalisierung effektiver interessenorientierter Verfahren zur Lösung sozialer Konflikte
- ergänzend zu und aufbauend auf dem Rechtssystem - wird zur Überlebensfrage für eine global vernetzte
Gesellschaft, deren Effektivität und Energiebedarf zu Konsequenzen und Herausforderungen führen, die
nur in einer krisensicheren, globalen Kooperation zu bewältigen sind.
Wer noch im Kampf gegen das „Böse“ verharrt (siehe Projektion bei Bauriedl), wird weder nachhaltige, kooperative
Lösungen zur Verteilung und Nutzung von Energie entwickeln können, noch eine internationale Solidarität
fördern, die zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels nötig sein wird.
Literatur:
Dörner, D. (1992)
Die Logik des Mißlingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen. Hamburg (Rowohlt Taschenbuch).
Dörner beschreibt kompakt, spannend und gut verständlich die menschlichen Schwierigkeiten im Umgang mit komplexen Situationen
auf der Basis vielfältiger, überzeugender Experimente und Forschungsergebnisse. Viele Beispiele vom bekannten Lohhausen-Experiment
bis zu Tschernobyl machen typische Wahrnehmungs- und Entscheidungsmuster verständlich.
Elias, N (2002)
Über den Prozess der Zivilisation. Frankfurt a. M.
Fietkau, H.-J. (2000)
Psychologie der Mediation – Lernchancen, Gruppenprozesse und Überwindung von Denkblockaden in Umweltkonflikten, , Berlin. Interessante und gut lesbare Darstellung psychologischer Aspekte in der Mediation zu den Stichworten Konflikt, Widerstände, Denkblockaden,
Risiko, Gruppenentscheidungen, Mediationsstrategien und Kommunikation in der Mediation. Mit Forschungsergebnissen aus
der wissenschaftlichen Begleitung von Mediationsverfahren im Umweltbereich.
Glasl, F. (2004)
Konfliktmanagement. Handbuch zur Diagnose und Behandlung von Konflikten für Organisationen und ihre Berater. Bern.
Luhmann, N. (1986)
Ökologische Kommunikation – Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Opladen.
Luhmann, N. (1984)
Soziale Systeme - Grundzüge einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a.M. (Suhrkamp).
Luhmanns Hauptwerk, in dem die Theorie Sozialer Systeme als Ganzes dargestellt wird. Von der gedanklichen Struktur her sehr anspruchsvoll
und ungewohnt, aber faszinierend fruchtbar und inspirierend. Für das Verständnis neuerer, systemtheoretisch orientierter
Konzepte und Forschungsergebnisse in den Sozialwissenschaften emminent wichtig.
Moeller, M. L. (2005)
Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch. Reinbek bei Hamburg.
Seifert, Josef W. (2009)
Moderation & Konfliktklärung - Leitfaden zur Konfliktmoderation, Gabal Offenbach. How-to-do-Buch für Moderatoren und Mediatoren. Konfliktcoaching und Konfliktmoderation um Konflikte in der Arbeitswelt zu klären.
Simon. F.B. et al (2004)
Tödliche Konflikte. Zur Selbstorganisation privater und öffentlicher Konflikte, Heidelberg
Sommer, G., Fuchs, A. (2004)
Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Weinheim.
Simon. F.B. et al (2006)
Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus, Heidelberg.
Schulz von Thun, F. (1997)
Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg.
Ury, W.L. et al (1991)
Konfliktmanagement – Wirksame Strategien für den sachgerechten Interessenausgleich, München.
Beschreibt überzeugend, kompakt und gut verständlich Grundprinzipien, praktische Ansätze („Systemdesign“) und eindrückliche Praxisbeispiele
(Massive Konflikte in Bergbaubetrieben) für ein aktives Konfliktmanagement in Betrieben und Organisationen und die nachhaltige Überwindung verhärteter Konfliktstrukturen. Enthält interessante Konzepte und Ansätze für Mediation und Konfliktmanagement, die über das Harvard-Modell weit hinausgehen.
Konflikt + Coaching = Konfliktcoaching für Inhaber, Vorstände, Geschäftsführer, Führungskräfte, Konfliktcoaching für Führungsnachwuchskräfte und Projektleiter. Konfliktcoaching zur Bewältigung von Konflikten in der Arbeitswelt. Konfliktcoaching als individuelle, vertrauliche Reflexion und Einzeltraining. Konfliktcoaching zur höchst persönlichen Strategieentwicklung. Konfliktcoaching von A bis Z, wo immer Sie uns brauchen: Aachen, Augsburg, Bergisch Gladbach, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bottrop, Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Chemnitz, Cottbus, Darmstadt, Dessau, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Erfurt, Erlangen, Essen, Flensburg, Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Fürth, Gelsenkirchen, Gera, Görlitz, Göttingen, Hagen in Westfalen, Halle an der Saale, Hamburg, Hamm, Hannover, Heidelberg, Heilbronn, Herne, Hildesheim, Ingolstadt, Jena, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Koblenz, Köln, Krefeld, Leipzig, Leverkusen, Lübeck, Ludwigshafen am Rhein, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Moers, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, München, Münster, Neuss, Nürnberg, Oberhausen, Offenbach am Main, Oldenburg, Osnabrück, Paderborn, Pforzheim, Plauen, Potsdam, Recklinghausen, Regensburg, Remscheid, Reutlingen, Rostock, Saarbrücken, Salzgitter, Schwerin, Siegen, Solingen, Stuttgart, Trier, Ulm, Wiesbaden, Wilhelmshaven, Witten, Wolfsburg, Wuppertal, Würzburg, Zwickau: Konfliktcoaching und Konfliktmoderation.